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FORSCHUNGSFREIHEIT

Dr. Franz B. Humer, Präsident des Stiftungsrates


Wenn Doktorandinnen und Doktoranden das Thema ihrer wissenschaftlichen Arbeit bestimmen, dann setzen sie sich meist hohe Ziele. Aus meiner Sicht sind es vier Rahmenbedingungen, die darüber entscheiden, ob sie damit Erfolg haben und eine Dissertation erarbeiten können, deren Inhalt von Bedeutung bleibt.

Zum einen braucht es ein Umfeld, das konzentriertes und vernetztes Arbeiten zulässt. Dann müssen die materiellen Rahmenbedingungen für die Zeit des Dissertierens stimmen. Denn wer sich nach dem Masterabschluss für meistens drei Jahre verpflichtet, eine Doktorarbeit zu verfassen, muss sich darauf verlassen können, dass dies ohne materielle Not möglich ist. Zeitintensive Nebenjobs sind heute bei der Ernsthaftigkeit, mit der die Doktorandenausbildung betrieben wird, schlicht nicht mehr möglich – hier kommen wir zum Zug. Wir verpflichten uns, «unsere» Doktorandinnen und Doktoranden während der ganzen Zeit ihrer Arbeit finanziell zu unterstützen.

Zum anderen gewinnt die Möglichkeit, einen Teil der Dissertation im Ausland – an einer auf das jeweilige Thema spezialisierten Universität oder mit Feldforschungen – zu erarbeiten, stetig an Bedeutung. Dieser Austausch über Grenzen hinweg wirkt sich, auch das zeigen die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren machen konnten, sehr positiv auf die Qualität der Doktorarbeit aus. Sich einfach für drei Jahre ins eigene Kämmerchen zurückzuziehen und die übrige Welt nur über das Internet hereinzulassen, reicht nicht.

Die wichtigste Rahmenbedingung ist aus meiner Sicht aber, dass den Doktorandinnen und Doktoranden volle, uneingeschränkte Forschungsfreiheit gewährt wird. Gerne rufe ich in Erinnerung, dass die Forschungsfreiheit, zumindest in Europa und in den USA, zu den bürgerlichen Grundrechten gehört und in der Regel durch die Verfassung geschützt ist. In der Schweiz geniesst die Forschungsfreiheit nach Artikel 20 der Bundesverfassung Schutz. In Deutschland ist die Freiheit der Wissenschaft, Forschung und Lehre im Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschrieben. Und Österreich hat dieses wichtige Thema im Bundes-Verfassungsgesetz geregelt.

Was also rechtlich völlig eindeutig ist, wird in der Praxis nicht selten erheblichen Belastungsproben ausgesetzt. Versuche, Studienergebnisse in eine bestimmte Richtung zu lenken, sind heute vielleicht seltener als noch vor einigen Jahren. Aber das Bemühen, Dissertationen zu glätten und so abzufassen, dass sie keinen ungewünschten öffentlichen Diskurs auslösen, besteht in Einzelfällen nach wie vor. Die Auswirkungen solcher Eingriffe sind schwerwiegend. Wer zu Beginn einer wissenschaftlichen Laufbahn bei der Forschungsfreiheit eingeschränkt wird, läuft Gefahr, seine Arbeit auch später mit einer Schere im Kopf zu machen.

Genau dies wollen wir nicht. Forschungsfreiheit gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen, um die Probleme der Gegenwart und der Zukunft erfolgsversprechend angehen zu können. Wir müssen darum alles dafür tun, dass die Forschungsfreiheit gewährleistet ist.

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